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Mittwoch, 28. Juli 2010

Meine Geschichten

EINE KRÖTE hat mir geraten, meine Lebensgeschichte zu schreiben.

Elende Lebensgeschichten sind heutzutage sehr modisch.
Mann nimmt ihnen höhnisch Misery Memoirs ~ das heißt Elendmemoiren. Davon sind die Bestsellerlisten ganz voll! Ich las eine, die von eine australische Frau ~ dasselbe Alter als ich, aus einer bürgerlichen Erziehung, die mit vielleicht 23, 24 Jahren, Heroin probierte. Einige Wochen später war sie natürlich abhängig. Sie musste als Prostitut arbeiten um genug Geld zu verdienen.

Sie begann auf der Straße, aber in Melbourne, Victoria, in Südaustralien, sind die Freudenhäuser ganz legalisiert. Also nach einigen Monaten fand sie sich in einem Bordell, "gentlemen" mit ihrem Körper bewirten.

Methadon war nicht genug. (Quelle surprise!) Also sie und ihre Zuhälter Boyfriend nahm Heroin täglich.

Sie war fünf Jahren heroinsüchtig.

Das Buch heißt In My Skin, (deutsche Ausgabe: Unter meiner Haut) und es ärgerte mich. Fünf Jahre, ein Arrest, zwei Rehabs ~ aber keine Absesse, keine Veneprobleme. Niemand starb. Sie wohnte in Scheißhäuser, aber war nie auf Trebe, nie in herrenlosen Güter wohnte. Sie trank praktisch nichts. Überdosierte nie. Keine Psychose. Keine Suizidversuche.

Na ja, Unter meiner Haut ist gut geschrieben und sehr gut bearbeitet. Kate Holdens literarischer Stil ist sehr bündig. Die Geschichte ist gut erzählt.

Aber ich dachte: ich könnte so viel besser tun! Ich war (ich bin) empfindlich Heroinabhängig. Aber mein Leben ist von Zeit zu Zeit so unvernünftig geworden, niemand würde es glauben!

Ich bemühte mich. Ich bemühte mich sehr. Ach! Ich wollte mich an nichts erinnern. Zu schmerzhaft. Zu psychologisch unbequem.

Es scheint nur ein Art von literarische Prostitution zu sein. Ich will nicht Sachautor sein, ich will Romanschriftsteller werden. Und wann ich ein Kästchen fünf Elendmemoiren sah wurde ich ganz entmutigt. Ach! Das will ich nicht: eins von fünf in einem Elendkästchen sein!

Also ich versuchte einen Roman. Ach! Das konnte ich auch nicht! Drogen haben mein Leben fast vernichtet. Ich hatte eine gute Idee, aber dagegen hatte ich einige Vorbehalten.

Ich wollte auch keinen Drogenporno schreiben.

Und ich weiß, das nach Erfolg, möchten Verlage nur eine Wiederdarstellung ~ a repeat performance ~ und ich will nicht mein ganzes Leben Bücher über Drogen und Elend produzieren!

Ach! dachte ich: es ist mir völlig einerlei! Ich schreibe was ich schreibe!

Dann realisierte ich, dass ich viele, viele andere Ideen hatte. Die nichts mit dem Rauschgift zu tun haben.

Wenn ich über diesen denke, fühle ich mich begeistert.

Seit DREISSIG JAHREN wollte ich Schriftsteller sein. Also ein Buch konnte eine neue Karriere öffnen. Eine neue Karriere wurde mich bewegen.

Ich will mich fern bewegen. Zu einer neuen Welt. Ohne Drogen. Ohne das Elend und die Hoffnungslosigkeit.

Ich muss weg!

Kommentare:

Angelina de Satura hat gesagt…

Ein Leben ohne Droge, das wünsche ich dir auch!
Liebe Grüße

Gledwood hat gesagt…

:-)

Ela hat gesagt…

ich wünsche es dir so sehr, lieber gled, aber mach diesen schritt nicht von deinen schreiberfolg abhängig! ich wünsche dir, die bereitschaft mit den drogen aufzuhören, egal was dir das leben bringt.
glg ela

Gledwood hat gesagt…

Du hast recht, aber ich finde es schwer, die beide Dingen zu trennen, weil in meinem Kopf sind sie miteinander zusammengedreht.
Mit einem, zwei, drei, vier... ich weiß nicht wieviele Bücher... aber man verdient sehr sehr wenig.
Meine Hoffnung ist, (wie ich sage) dass ich mit einer neuen Karriere mich bewegen könnte. Fern. Sehr sehr fern von wo ich nun bin!
Wie ich in Englisch sagte, I can't quit into a vacuum... Ich könnte nicht in eine Lücke aufhören...
Also vielleicht könnte mein eigene Bücher dieses Loch verstopfen!
Grüße
Gleds

Herz-und-Leben hat gesagt…

Das ist eine sehr gute Idee! Aber man darf das Eine nicht vom Anderen abhängig machen!!!

Ich wundere mich ohnehin, wie man heroinabhängig sein kann und dann noch bloggen? Braucht es nicht viel Geld, um sich diese Droge zu beschaffen??

Hier kennen wir nur das Buch der Christiane F "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" - das ist schrecklich genug! Und für manche war es sogar noch "Anleitung", es selbst doch - alles Schrecknissen zum Trotz - auch einmal zu versuchen :-(

Wienermädel + Co hat gesagt…

Ich denke, dass du deine Blogs schreibst, ist ein guter Anfang - vielleicht wird mehr daraus, das wünsch ich dir.